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30. December 2007, 03:03

Artists

Artist Watch: Surgeon

surgeon Surgeon, mit bürgerlichen Namen Anthony Child, müsste eigentlich nicht mehr vorgestellt werden, denn schließlich ist er eine lebende Legende in Sachen Techno, und das nicht nur in England. 1993 hat er einen der ersten Techno Clubs in seiner Heimatstadt Birmingham ins Leben gerufen – House of God. Gut zwei Dutzend 12″s hat er in den darauffolgenden Jahren unter seinem Namen und in Kollaboration als British Murder Boys veröffentlicht, zudem ca. ebenso viele Remixes sowie zwei Alben auf Tresor. Mit Dynamic Tension und Counterbalance hat er gleich zwei Labels ins Leben gerufen, und seine Tracks finden sich nicht nur auf Cocoon, Time Warp und Tresor Compilations, sondern auch auf Hawtins legendärer Decks, EFX & 909 Mix CD wieder. Als einer der ersten DJs überhaupt hat er ausschließlich Ableton Live und Final Scratch bei seinen Livesets eingesetzt.

Wieso Surgeon trotzdem selten an erster Stelle auf dem Flyer erwähnt wird, und gerade in den letzten Jahren etwas in der Versenkung verschwunden ist, hat zwei Gründe: Zum einen war er in den Jahren zwischen 2001 und 2005 einfach nicht sehr produktiv in Sachen Veröffentlichungen. Zum anderen, und das könnte entscheidend sein, trifft Surgeons Stil nicht immer den Geschmack der Clubbetreiber, gerade hier in Kontinentaleuropa. Aber wieso?

Nun, Surgeon kommt aus der klassischen englischen Warehouse Szene; er ist mit der Rave-Welle zu Beginn der 90er Jahre groß geworden, und wurde stark von Industrial und Avantgarde Electronica á la Coil oder Throbbing Gristle geprägt. Diese Einflüsse finden sich nicht selten auch in Surgeons DJ Sets und Produktionen wieder, die einen klaren Gegensatz zum glattpolierten Minimalismus darstellen: Ein Surgeon Set ist immer etwas raw und dirty, immer etwas edgy, oldskool eben, mit ordentlich Einschlag aus dem frühen Detroit und dem Dubtechno Sound von Basic Channel, und dazu immer wieder mit einer Prise IDM aus den Anfängen von Warp Records und Konsorten gewürzt. Als ich Surgeon vor einem Jahr in Manchester beim treffenderweise benannten “Warehouse Project” gesehen habe, ging diese explosive Mischung im passenden Ambiente voll auf: Es war dunkel mit spartanischen Lichteffekten, und dazu dieser ewig rumpelnde Bass, die peitschenden Snares und die unerwarteten Breaks. Kurzum: Es war so, wie eine Technoparty sein sollte.

this is for you shits 2007 sah dann glücklicherweise so etwas wie ein Comeback von Surgeon. Mit Remixen für Thom Yorke, Monolake und Substance & Vainqueur, sowie zwei 12″s mit dem Namen Whose Bad Hands Are These? hat sich Surgeon mit seinem härteren Sound wieder zurückgemeldet, und was liegt da näher als die erste Mix CD von Surgeon überhaupt. Vielleicht nicht ganz ohne Hintergedanken This Is For You Shits betitelt, ist die limitierte CD auf – eigentlich logisch – Warp Records erschienen. 31 Tracks lang, eine Zeitreise durch das Surgeon Universum mit Cuts von Aphex Twin, Autechre, Scorn, Whitehouse und Monolake. Vielleicht kein Techno per se, aber wie fast alle Surgeon Sets eine ziemlich dichte, gerne auch mal anstrengende Angelegenheit. Wie im Forum von RA jemand meinte: “The antidote to all this deep house business these days“. Und ganz im Ernst, wir mögen Deephouse, aber manchmal muss es eben etwas rauer sein…

# Surgeon – Neck Face Mix (Zip File)
# This Is For You Shits @ Warpmart

Ein Kommentar

  1. olli

    Den hätte ich beinahe mal kennen gelernt. Aber leider hat der den Gig in Bremen abgesagt… Der war mir bis dato leider nicht bekannt, an sich komisch!

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