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Artist Watch: Cibelle

Frauen im Folktronic Bereich sind schon lange keine Ausnahmerscheinung mehr. Schon vor einigen Jahren haben wir mit unserem Feature versucht, wenigstens an der Oberfläche zu kratzen. Nach The Shine of Dried Electric Leaves, ihrem zweiten Album, müsste die Wahl-Londonerin Cibelle inzwischen vermutlich auch einen Platz in dieser Liste bekommen, denn Cibelle hat es geschafft einen ganz eigenen Sound zu erschaffen, der zwischen brasilianischen Rhythmen und experimentellen Soundscapes eine Nische gefunden hat.

cibelle Cibelle Cavalli kommt ursprünglich aus Brasilien, genauer aus São Paulo, wo sie nicht nur in TV Shows aufgetreten ist und als Model gearbeitet hat, sondern auch schon länger in der Bossa- und MBP-Szene (Música Popular Brasileira) bekannt war. So hat sie es beispielsweise auch auf das inzwischen legendäre Album von Suba geschafft, einem in São Paulo ansässigem Producer (der inzwischen tragischerweise verstorben ist).
Der Schritt zum eigenen Album war danach nicht mehr weit; mit Hilfe von Apollo 9, einem weiteren brasilianischen Producer, kam 2003 ihr selbstbetiteltes Debütalbum heraus, eine Mischung aus klassischen Bossa Nova Strukturen und elektronisch angehauchten Beats. Ein erfrischendes Album, auf dem sich Cibelles beruhigende Stimme teilweise auf Englisch, teilweise auf Portugiesisch äußerte, und das sich eine gewisse brasilianische Leichtigkeit vorbehalten konnte, ohne dabei als Fahrstuhlmusik zu enden. Inzwischen lebt Cibelle in London, und dieses Jahr ist ihr zweites Album mit dem Titel The Shine of Dried Electric Leaves erschienen, dass sich nochmal einen Schritt tiefer ins experimentale Klangkästchen wagt. Zwar wurde wieder mit Apollo 9 und anderen bekannteren Namen zwischen London und São Paulo produziert, was dem Album einen sehr internationalen Touch gibt, doch Cibelle hatte diesmal maßgeblichen Anteil an der Durchführung. Das Ergebnis ist ein sehr schönes Album, ein verträumtes Album, dass zwar wieder den brasilianischen Touch hat, aber stellenweise doch an die Produktionsweise von CocoRosie oder auch Amiina erinnert, wenn es darum geht scheinbar zufällige Sounds und Samples einzubinden. Und so behält sich Cibelle auch auf dem zweiten Album eine gewisse Verschrobenheit vor, bei der es auch durchaus mal etwas lauter werden darf, aber das trotzdem immer diese brasilianische Lässigkeit besitzt. Ziemlich beeindruckend wie gut das funktioniert.

Hier ist ein wunderbares Cover von Tom Waits Green Grass, zu finden auf dem aktuellen Album:


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