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30. April 2008, 19:29

Artists

Artist Watch: Atmosphere

atmosphere Soweit ich das nach zwei Hördurchgängen beurteilen kann, ist das etwas seltsam betitelte When Life Gives You Lemons, You Paint That Shit Gold das vielleicht bis dato schlüssigste, eingänglichste und schlichtweg beste Album von Atmosphere, was angesichts einiger sehr guter Alben in der Vergangenheit schon beachtlich ist. Denn das Hip Hop Duo aus Minneapolis hat schon in den letzten Jahren die Messlatte beachtlich hoch angesetzt wenn es darum ging persönlichen Zwiespalt, Consciousness und Ironie mit wunderbaren Oldschool-Sample Beats zu verbinden, ohne sich dadurch vom Mainstream auffressen zu lassen, auch wenn man kurz davor war: Eskapaden mit Fans, exzessive Touren, übermäßiger Alkoholkonsum und die daraus resultierenden Folgen sind nur eines der Themen, die der 35-jährige Rapper Slug, immer wieder in seinen Texten aufrollt, und das gänzlich ohne Bling Bling, ohne typische Rap Floskeln, sondern immer mit einem etwas kryptischen Wortwitz gespickt.

Schon seit Anfang der 90er Jahre stehen Sean Daly alias Slug und Producer Anthony Davis alias Ant auf der Bühne. Zu Beginn war Slug noch Teil des Rhymesayers Kollektivs, und rappte sich zusammen mit seinen Kollegen Stress & Spawn durch amerikanische Kleinstädte. Als die anderen beiden sich eines Tages auf ihre Soloprojekte konzentrieren wollten, kam an ihrer Stelle Ant als der neue Mann im Hintergrund ins Boot, und schon bald kristallisierte sich Atmosphere als Duo heraus. Seitdem hat man zusammen fünf Alben und unzählige EPs produziert, und der Charakter Lucy Ford, den Slug zu Zeiten des Debütalbums mit gleichem Namen als Alter Ego ins Leben gerufen hat, um seine persönlichen Erfahrungen besser lyrisch verarbeiten zu können, ist als eines der Leitmotive der Band bekannt. Inzwischen stehen Atmosphere gemeinhin für intelligenten Leftfield-Rap, und auch in Sachen Tour hat man sich mit einer eigenen Band geschickt abzugrenzen gewusst. Eine Entwicklung, die sich auch auf der aktuellen Platte zeigt.

XLR8R hat aktuell eine sehr gute Reportage über das Duo verfasst, in der sich Slug und sein Kollege Ant über das Rap-Dasein und ihre Heimat Minneapolis auslassen, und nebenbei wird noch die Geschichte von Atmosphere etwas genauer beleuchtet, über die sich Slug auch durchaus kritisch zu äußern weiß:

“I became a caricature of the guy in those records. Writing songs about my issues manifested me to stay stuck in them. Especially when I started to deal with people who didn’t know me but only knew the personality on the record–those are the people who expected me to get wasted with them and end up trying to fuck them in their room. I made the mistake of attempting to live up to that.”

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