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4. July 2007, 02:08

Alben

Aril Brikha – Ex Machina

Spätestens mit dem Release seines zweiten Albums Ex Machina kann man Aril Brikha wieder zu den angesagtesten Namen im Technobereich zählen. Doch halt! Techno? Ist das nicht viel eher…Trance? Neo-Trance vielleicht?

Bevor wir uns in überflüssigen Genre-Neuschöpfungen verfangen vielleicht erstmal ein Blick auf das Innere des neuen Albums, das auf Peacefrog erscheint, und den offiziellen Nachfolger den großartigen Deeparture in Time darstellt. Musikalisch knüpft Brikha allerdings eher an die Winter EP auf Kompakt an; das heißt weniger Detroit Einflüsse und mehr Verträumt- und auch Verspieltheit. Während Tracks wie Embrace, Read Only Memory und natürlich Groove la Chord auf dem Debüt noch eine dubbige Deepness präsentiert haben, sind die Tracks auf Ex Machina großzügiger strukturiert und orchestriert. Bei Lady 707 und Kept Within fliegen dem Hörer die luftig-leichten Arpeggios nur so um die Ohren, das zehn-minütige Epos Leaving Me schraubt sich ganze vier Minuten in die Lüfte bevor Brikha letztendlich dem Beat seinen freien Lauf lassen lässt, und was folgt sind sechs der schönsten Minuten die es dieses Jahr auf Platte zu kaufen gibt. Die beiden Opener Last One und More Human sind dagegen noch regelrecht gezügelt, auch wenn sie die typischen Synthesizer Pads enthalten, die jedoch stärker bei Tracks wie Room 337 herauskommen, wenn sich der Beat etwas legt und genug Platz ist für Transponierungen. Lediglich Contact könnte in seiner geschlossenen Deepness noch aus der Zeit des Debütalbums stammen.

Dabei sind die Zutaten der beiden Alben nicht allzu verschieden: Auch Ex Machina lebt von der Percussion, die immer noch detroitmäßig daherkommt mit schneller klaren Hi-Hats und dubbig-tiefer Bassline. Was den Unterschied macht sind die Flächen, die hier um einiges mehr in den Vordergrund gehoben sind, und den Track tragen anstatt ihr nur auszuschmücken. Ähnlich wie auch Kaito oder The Field stehen auch hier typische Techno-Strukturen großräumigen Trance-Flächen entgegen, was sich alles andere aus ausschließt: Das Ergebnis ist allenfalls großartig, da sich Brikha nie im Trance verliert, sondern die Tracks sich mit einer Leichtigkeit aufbauen, die Synthies sich nach oben schieben, ohne dass sich dabei der Beat im Kitsch verirrt, und man nie das Gefühl hat dass es hier vielleicht etwas zu dick aufgetragen ist; Lediglich der Grundbeat von Kind of Nitzer erinnert mich doch etwas an die Großraumdisco.

Insgesamt folgen die Tracks einer klaren Struktur, wirkliche Überraschungen gibt es in den 10 Songs keine. Trotzdem schafft es das Album auch auf satte 76 Minuten ausgedehnt unterhaltsam zu bleiben. Ob Neo-Trance oder einfach nur veträumt-melancholisches Techno – Ex Machina ist ein würdiger Nachfolger eines Klassikers. Ob dieser sich allerdings auch auf Dauer beweisen kann bleibt abzuwarten.

# Ex Machina erscheint am 30.7.2007 auf Peacefrog