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9. September 2005, 19:56

Alben

Alex Under – Dispositivos de Mi Granja

Es gibt sie diese Momente, diese Momente die einem auch nach Monaten in Erinnerung bleiben. Momente wie dieser Samstagabend im Juni, der letzte Tag des Sonar Festivals in Barcelona. Drei Tage Sonne, laute Musik, wenig Schlaf, und eine beachtliche Menge San Miguel, gehen dem Ende entgegen und zeigen ihre Wirkung; Die Beine sind müde, die Aufnahmebereitschaft auf erschreckend niedrigem Niveau. In nur 8h geht der Flieger zurück in die Heimat, ein letztes Mal zusammenreißen und die letzten Acts auf der persönlichen Liste anschauen. Aber noch ist es zu früh, gerade mal 21 Uhr, nur langsam füllen sich die riesigen Hallen der Messe, fängt doch vor Mitternacht kein Highlight an. Mit einem weiteren Bier bewaffnet, selbst wenn es nicht mehr schmeckt, setze ich mich erstmal auf die aufgebauten Tribünen im Außenbereich. Die Sonne senkt sich und taucht den Himmel in ein tiefes Rot, die Lichteffekte wirken im Halbdunkel irgendwie fehl am Platz. Gerade als es Zeit wird ein Resumé zu ziehen erklingt plötzlich Musik an mein Ohr. Es ist 22 Uhr, und in nur wenigen Minuten ändert sich alles; die vereinzelten Besucher strömen in Richtung Bühne, die kreisenden Lichter gewinnen an Eigendynamik, und die eigenen Beine, die eben noch gestreikt haben, ziehen mich stetig in Richtung Tanzfläche. Wer ist das? Das Programmheftchen sagt DJ Alex Under. Spanien. Diese prickelnde Mischung aus Minimalismus und treibendem Bass, die Fröhlichkeit und Direktheit, die wie Ping Pong Bälle hin- und herspringen, sorgen für ein Gefühl, das selbst nach Ende des Sets noch wohlig warm nachklingt. Während die Sonne endgültig untergeht, und den Sternen den Platz überlässt, bewege ich mich inmitten einer kleinen Gruppe Menschen, die alle das Gleiche denken: Ein Highlight des gesamten Festivals.

“Dispositivos de Mi Granja”, das Debutalbum von Alex Under, das soviel heißt wie “Die Geräte meiner Farm”, spinnt diese Philosophie konsequent weiter. Die Philosophie Menschen zum Tanzen zu bringen ohne penetrant zu sein. Was hier zählt ist ein stetiger Groove, angetrieben vom gezieltem Gebrauch klassischer Elemente. Ein Album ohne Vocals, ohne Mix-Kracher, ohne eigentlichen Höhepunkt, aber genau deswegen so hypnotisch und fesselnd. Alex Under ist weder Minimalist noch Techno-Stampfer, er schafft vielmehr eine Mischung aus beidem – ein geschlossenes Ganzes, das locker leicht vor sich hin klickt und groovt wie ein Flummi im geschlossenem Raum. Natürlich wiederholen sich die Strukturen, bei Songs, die fast immer an oder über die 7 min. Grenze gehen kein Wunder, aber genau hier liegt der Unterschied – und auch der Charme: Denn wo sich andere in stetige Loops vergraben, verschachtelt Alex Under seine Beats immer wieder, reiht sie aneinander und sprengt sie wieder auseinander. Selten klang das Zusammenspiel von Bassline und Klicks dynamischer, selten so konsequent in der Struktur und so subtil im Ergebnis. Was sich schon auf den beiden 12″s auf Trapez angedeutet hat, entwickelt sich hier auf Albumlänge zu einem der besten Technoalben des Jahres. Under-statement par excellence.

Alex Under – Dispositivos de mi Granja erscheint am 19.9.05 auf Trapez
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Intro Review
Groove Review

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  1. [...] k Artikel ähnliche Erlebnisse mit Alex Under wie ich sie letztes Jahr beim Sonar Festival hatte, und bittet ihn auch gleich zum Interview. Inside the Loft’s sister club Lolita, though, some [...]

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