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28. March 2007, 20:33

Alben

Alec Empire – Low On Ice

Es ist schon einige Jahre her als ich Alec Empires Low on Ice Video zum ersten (und wohl auch letzten) Mal im Fernsehen sah. Zumindestens gab es zu der Zeit noch VIVA 2, auf einem anderen Sender wäre solch ein semiprofessionelles Video wohl undenkbar gewesen. Es müsste auch zu jener Zeit gewesen sein, in der ich Alec Empire nur als Teil und Frontmann von Atari Teenage Riot kannte (hatten wir nicht alle mal eine Noisepunkphase?), weswegen mich dieses Video gleich doppelt überrascht hat. Aufgenommen in nur drei Tagen im Sommer 1995 während einer ATR Tour in Island, scheint Low on Ice (The Iceland Sessions) die Kälte und Weite des Landes regelrecht aufgesaugt zu haben. In den Linernotes des Albums gibt Empire selbst folgende Erklärung:

“Being overexposed to this extreme energy, I started feeling burnt out the first time at such high level. I felt like having crashed into the ice of a lake, drowning in cold water, freezing to death, looking at the sky and the eart through the ice. This is what the record sounds like.”

Die Mischung aus Reverbs, Echo, Dubs und, sofern überhaupt welche vorhanden ist, jazziger Percussion (ähnlich wie sie auch Biosphere in sein letztes Alum integriert hat) verursacht in der Tat eine Atmosphäre, die auf der einen Seite zwar befremdlich und beunruhigend ist, aber mit Ausnahme der letzten beiden Tracks ebenso entspannend wie das sanfte Herunterkommen eines Acidtrips (was, da bin ich mir sicher, nicht von ungefähr kommt). Zwar ist das Album ziemlich Lo-Fi; die Dubs neigen zum Übersteuern, die Drums wirken dumpf als würden sie aus einem anderen Raum heraus tönen, und insgesamt scheinen die Tracks kein weiteres Mastering erfahren zu haben, aber es wirkt vielleicht genau deswegen gleichermaßen rau und ehrlich, und damit auf seine Weise fesselnd und faszinierend.

Von Alec Empire nun zu Ian Pooley, der mich ähnlich überrascht hat. Normalerweise sortiert man Ian Pooley eher im Ibiza-Weichspülhouse Bereich ein, was nach seinen wohl bekanntesten Alben Meridian und Since Then, und Hits wie Coracao Tambor (ein schöner Song, keine Frage) auch durchaus gerechtfertigt ist. Was aber sicher viele nicht wissen, mich eingeschlossen, ist dass Herr Pooley zusammen mit Kollege DJ Tonka Anfang der 90er unter dem Pseudonym T’N'I in Kollaboration mit Alec Empire Platten für das Frankfurter Force Inc. Label produziert hat, die alles andere als weich und schon gar nicht Latinhouse sind. Im Gegenteil, Tracks wie Celtic Cross (zwar nicht mit Empire, dafür im letzten Jahr neu aufgelegt) donnern nur so vor sich hin, und können geradezu als Techhouse Blueprints bezeichnet werden.
Auch ein weiterer Grund etwas tiefer in den Force Inc. Archiven zu stöbern, die ich seltsamerweise kaum kenne, obwohl ich fast den gesamten Katalog der Sublabels Mille Plateaux, wo u.a. auch Empire seine ersten Platten veröffentlicht hat, und Force Tracks besitze.

2 Kommentare

  1. Carsten

    Ich dachte eigentlich immer, Pooley hätte T’N'I mit DJ Tonka zusammen gemacht – meint Discogs übrigens auch. Unglaublich aber auch, was für einen Haufen Platten Pooley über die Jahre rausgebracht hat.

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  2. Eikman

    Sorry, das war unglücklich geschrieben. T’N'I ist Pooley + Tonka, aber die beiden haben zusammen mit Empire u.a. diese 12″ produziert.

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