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27. February 2008, 20:31

Alben

AGF – Words Are Missing

words are missing Der Titel Words Are Missing umrahmt zwar das grobe Konzept von AGFs viertem Solo-Album, doch wie immer bei AGF steckt die Idee im Detail. Schon immer waren Alben von AGF an der Schnittstelle von Sprache und experimenteller Musik angesiedelt, sei es die Dekonstruktion von HTML und Softwarecode bei Head Slash Bauch oder die politisch-angehauchten Spoken-Word Kompositionen zusammen mit Ehemann Vladislav Delay auf dem gemeinsamen Album Explode. Nun also ohne Worte, ohne Text, aber nicht ohne Sprache.

Sprache wird auf Words Are Missing auf eine Weise dekonstruiert, die Jacques Derrida glücklich gemacht hätte. Statt Wörter als übergeordnete Entität zu nehmen, greift AGF auf kleinere Bausteine zurück, baut ihre Stücke um einzelne gesprochene und gesungene Buchstaben, um Atem- und Jubelgeräusche herum, was eine neue Form intensiv-fragmentalischer Lyrik eröffnet. Statt Texte als bloßen Aufhänger zu wählen, werden hier Ton und Sprache auf ein gleiches Level gebracht, Sprache gezielt als Instrument benutzt. Diese Idee ist zwar nicht neu, wird hier aber von AGF mit Hilfe experimenteller Kompositionen auf eine eigene Weise verarbeitet.

Musikalisch ist Words Are Missing womöglich das bis dato kompletteste und vielseitigste Werk von AGF: Kalte, maschinenartige Drones vermischen mit breiten Ambient-Soundscapes (Words are Useless), dazwischen immer wieder hallende Echos, knisternde Statik zwischen vereinsamten Drums (Mohr und die Raben von London) und subtilen Fieldrecordings, immer an der Grenze von Disharmonie und Melodie. Das gesprochene Alphabet entwickelt sich bei Cognitive Modules Party II in einen hypnotisierenden, fast tanzbaren Groove, bei Letters Make No Meaning dagegen paaren sie sich in rapider Sukzession mit harscher Percussion. Dread in Strangers Eyes wiederum klingt nach Avantgarde-Elektronika aus den 40er Jahren, während Stücke wie Under Water sich so leise fortbewegen, das man glaubt die Platte steht still.

Auch wenn die Grundstimmung des Albums eher düster ist (man höre sich das akustische Albtraum-Szenario von Presswehen an), so wirkt es insgesamt doch sehr organisch. Statt in unterkühlte Laptop-Electronica zu verfallen, behält sich AGF immer etwas menschliches vor, was natürlich das Konzept des Albums nur bestätigt. Das ist nicht immer leicht zu verarbeiten, und braucht etwas Zeit um sich entfalten zu können, aber in Sachen Detail- und Ideenreichtum muss sich Words are Missing sicherlich nicht verstecken. Als Bonus gibt es ein 20-seitiges Booklet, das mit Kalligraphien und Fotographien das Kompositons-Konzept auch abseits der eigentlichen Musik weiter ausbaut.

AGF, Words are Missing, ist auf AGF Producktion erschienen.

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